Wie du Zeit sparen kannst bei der Schnittanpassung: In 5 Schritten zum Kellerfalten-Kleid

Spätestens seit der letzten Staffel „Geschickt eingefädelt“ und Guido Maria Kretschmers Nähtutorial sind die Kellerfalten jeder Hobbyschneiderin ein Begriff. Die Kandidaten waren aufgefordert ein Faltenkleid zu nähen und die Ergebnisse waren einfach traumhaft. Ein Rockteil mit Kellerfalten eignet sich perfekt um Muster mit einem Rapport bzw. einer Bordüre zu verarbeiten, denn die Saumlinie bleibt immer gerade. Und das Beste ist, man braucht noch nicht mal ein Schnittmuster. Wie das funktioniert könnt ihr in der Anleitung im zweiten Teil des Posts nachlesen.

 

In meinem letzten Blogpost habe ich einige Inspirationen für ein Sommerkleid für meinen Mexikourlaub gepostet. Nachdem Svea von Pulsenote mir bei meinem letzten Blogpost einen guten Tipp gegeben hat für ein Kleid mit Prints.. nämlich Kleider im 50s Stil (wie Burdastyle 104 05/2014) stand auf jeden Fall fest, dass es schnittmustertechnisch in diese Richtung gehen würde.

Um Zeit zu sparen habe ich ein bestehendes Schnittmuster von einem gut sitzenden Etuikleid abgewandelt (den Schnitt habe ich zum Beispiel bereits für das Dolce&Gabbana Kleid oder das Chanel Kleid verwendet). Diese Methode kann ich euch nur empfehlen. Das Etuikleid ist eines meiner bestgehüteten Schnittmuster überhaupt 😉
Falls ihr wie ich aus einem Oberteil mit Ärmeln ein ärmelloses Schnittteil erstellen möchtet, solltet ihr den Sitz des Armlochs noch einmal überprüfen. Für einen bequemen Ärmelsitz ist im Schnitt in der Regel Mehrweite enthalten. Diese wird für die ärmellose Variante wieder entfernt, indem ca. 1-1,5cm von der Seitennaht zur Taille auslaufend an Vorder- und Rückenteil entfernt werden.

 

 

Das Oberteil erhält noch eine weitere Anpassung. Denn ich habe einen wahnsinnig schönen Spitzenstoff entdeckt, an dem ich einfach nicht vorbeigehen konnte. Das Rückenteil ist komplett aus Spitze und vorne der Teil oberhalb der Brust.

Bei Dawanda habe ich diesen tollen „Frida la Catrina“ Stoff aus der Folklorico Kollektion von Alexander Henry gefunden. (Leider ist er momentan ausverkauft, hier* gibts aber jede Menge traumhafte Alexander Henry Stoffe) Die Stoffhälfte mit den Mustern und Catrinamotiven bietet sich perfekt als Rockteil an. Der restliche Teil mit den einzelnen Blüten auf dem blauen, fast schon lilanen Stoff bietet sich für das Oberteil des Kleids an.

Fehlt nur noch der letzte Teil des Schnittmusters: der Rock!

 

Anleitung: Rock mit Kellerfalten ohne Schnittmuster nähen

Für ein solchen Rock benötigst du ein rechteckiges Stoffstück und einen Markierstift oder Schneiderkreide.

1. Schritt: den Taillenumfang abmessen

Diesen misst du entweder direkt am Körper, wenn du nur einen Rock nähen möchtest. Oder am Schnittmuster, falls du den Rock wie ich an einem Kleid ansetzen möchtest.

2. Schritt: Länge und Saumumfang des Rockteils bestimmen

Erst teilst du den Taillenumfang durch die gewünschte Anzahl der Falten um die Breite der Falten zu bestimmen. Dann teilst du ebenfalls die Differenz aus Saum- und Taillenumfang durch die Faltenanzahl, damit du weißt welchen Betrag du in die Falten legen musst.

Taillenumfang / Anzahl der Falten = Faltenbreite

(Saumumfang – Taillenumfang) / Anzahl der Falten = Tiefe der Kellerfalte

Je nachdem wieviel Stoff du verarbeiten möchtet, kann es sein, dass du ein bisschen probieren mustt, bis du die optimale Aufteilung für die Kellerfalten gefunden hast.
Bei der Rocklänge habe ich mich für Knielang entschieden. Der Umfang war bei mir durch das Muster vorgeben. Ein Rapport beträgt bei meinem Stoff ca. 61cm, also hatte ich die Wahl zwischen ca. 120cm oder ca. 180cm Umfang. Ich habe mich schließlich für letzteres entschieden, da ich die etwas ausgestelltere Rockvariante für dieses Kleid schöner finde. Und irgendwie ist es mir auch sehr schwer gefallen über einen halben Meter dieses tollen Musters unverarbeitet zu lassen.

Beispiel: Taillenumfang 72 cm / 8 Falten = 9 cm Faltenbreite

(Saumumfang 180 cm  – Taillenumfang 72 cm) / 8 Falten = 13,5 cm Tiefe der Kellerfalte

3. Schritt: Falten anzeichnen

Beginne beim Anzeichnen mit einer halben Kellerfalte (x/2). Zeichne dann Abwechselnd Faltenbreite (o) und Kellerfalten (x) an bis du nur noch eine halbe Kellerfalte übrig hast. So verschwindet die hintere Mitte in einer Falte.

In diesem Beispiel: Halbe Kellerfalte 6,8 cm // 9 cm Faltenbreite // 13,5 cm Kellerfalte // 9 cm // 13,5 cm … // 6,8 cm

4. Schritt: Falten legen und steppen

Die Markierungen werden nun aufeinander gelegt und ca. 2 cm lang absteppen. Das Absteppen müsste man nicht unbedingt machen. Ich habe mich dafür entschieden, damit die Falten nicht direkt an der Taille aufspringen und so etwas weniger auftragen.

Die genähten Falten, die nun auf der Innenseite des Rockteils liegen, werden flach auf das Rockteil gesteckt und flach gebügelt. Am besten näht man diese auf der Nahtzugabe auf dem Rock fest, das erleichtert das Zusammennähen mit dem Oberteil später.

5. Schrit: den Rock an der hinteren Mitte zusammennähen.

Jetzt ist es fast geschafft. Nur noch die hintere Mitte zusammennähen und fertig ist der Rock.

Ich wünsche euch viel Spaß beim Ausprobieren! Falls ihr Fragen zu der Anleitung habt, beantworte ich sie euch gerne in den Kommentaren. Ich freue mich aber auch über Anregungen oder Links zu euren Kreationen, bei denen ihr Kellerfalten verarbeitet habt.

Lieben Gruß,

* Julia

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10 Comments

  1. Dezember 29, 2016 / 1:18 pm

    Danke dir liebe Julia, das wird definitiv umgesetzt ;-).

    Liebe Grüße und einen guten Rutsch,
    Anna

    • Dezember 30, 2016 / 5:07 pm

      Liebe Anna,
      viel Spaß dabei. Ich hoffe die Anleitung ist gut verständlich. Bin auf dein Ergebnis gespannt.

      LG und ebenfalls einen guten Start ins Neue!
      Julia

  2. Januar 1, 2017 / 8:08 am

    liebe Julia, dein blog ist einfach der Wahnsinn! ich brauche aber mal dringend Infos, wo du immer so deine Stoffe herbekommst! wo hast z.b. den tollen Spitzenstoff hier her? oder damals von deinem tollen roten Spitzenkleid? Mach doch mal ne Liste Deiner Lieblingsshops 🙂
    Liebe Grüße!

    • Januar 6, 2017 / 8:02 pm

      Liebe Katharina,
      das freut mich ganz besonders und motiviert mich sehr für den Blog 🙂 Viele meiner Stoffe kaufe ich in Frankfurt und wenn ich unterwegs bin halte ich immer Ausschau nach den Stoffläden der Stadt. Den Spitzenstoff habe ich ausnahmsweise mal online bestellt über dawanda (lacetolove), da Spitze oft schwer zu bekommen ist im Laden.
      Lieben Gruß,
      Julia

  3. Januar 1, 2017 / 8:08 am

    … und ich würde ALLES für ein Stück Stoff von Deinem Hawaii Print Shirt geben 🙂

    • Januar 6, 2017 / 8:05 pm

      von dem Hawaii Stoff habe leider kein Fitzelchen mehr übrig. Das waren die letzten 90cm, die es im Laden gegeben hat. Diesen Stoff wie auch den von dem Black&White Shirt (da habe ich sogar noch einen kleinen Streifen) habe ich in Köln in einem kleinen Laden gekauft. Den Namen weiß ich leider nicht mehr :/

  4. Januar 3, 2017 / 5:56 pm

    Liebe Julia, du machst es wirklich spannend ; ) Ich dachte das nun endlich dein Urlaubskleid zu sehen ist. Toll wie du das Falten ausrechnen erklärt hast. Ich habe mir da noch keine Gedanken gemacht, vermutlich weil es noch nicht erforderlich war. Die Schnittart gehört auch zu den Lieblingen meiner Tochter, so dass ich bestimmt auf deine Skizzen zurückgreifen werde. Lieben Dank daher für deine Mühe.
    Jetzt bin ich gespannt auf dein Rockteil, natürlich auch auf das gesamte Kleid.
    Liebe Grüße Birgit

    • Januar 6, 2017 / 8:07 pm

      Liebe Birgit,
      jaaa es bleibt spannend 😀 ich bin einfach noch überhaupt nicht dazu gekommen die Bilder zu bearbeiten. Am Ende hat mich der Jetlag ganz schön mitgenommen und an Weihnachten bleibt meist auch kaum Zeit. Das kennst du ja sicher 😉
      Aber bald!!!
      Liebe Grüße,
      Julia

  5. Januar 11, 2017 / 11:33 am

    Frohes neues Jahr liebe Julia!
    Dein neues Projekt ist einfach bezaubernd. Schöner Mix aus Musterstoff mit dieser Spitze.
    Gefällt mir sehr und ich kann es mir schon gut vorstellen.

    Kellerfalten habe ich auch schon genäht 😉 Mein Kellerfaltenrock a la Dior 😉 Auch das Burda Ballonkleiderschnitt das Ballonkleid nach Burda habe ich in Falten gelegt. Der Schnitt sah eine Raffung vor, das mag ich aber nicht. Ich bevorzuge lieber Falten.
    Das Wichtigste ist bei Falten, wie den Kellerfalten, dass genügend Stoff da ist. Der Dior-Kellerfaltenrock ist eine Stoffbahn von insgesamt 2,60 m die ich mit einer Naht (Reißverschluss) geschlossen habe. Bei meinem anderen Rock, den ich selbst in Falten (Vorn anders als Hinten) gelegt habe, hatte ich nicht so viel Stoff, daher stehen die hinteren Kellerfalten leider etwas ab. Ist aktuell auf dem Blog Lady Petite zu sehen, heute mit mehr Näherfahrung, hätte ich die rückwärtigen Falten anders gelegt oder gleich darauf verzichtet und vorn ggf. mehr Falten drapiert, je nach dem wie das Muster es zulassen würde.

    Wünsche Dir viel Spaß bei Deinem Projekt. Ich liebe die Farben jetzt schon.
    Liebe Grüße Anita

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